Infusionstherapie: wann sie sinnvoll ist – und wann nicht
Vitamin-, NAD+- und Eisen-Infusionen werden viel beworben. Was davon medizinisch begründet ist.
Infusionen sind in den letzten Jahren zum Lifestyle-Angebot geworden. Aus medizinischer Sicht lohnt eine nüchterne Betrachtung.
Das Prinzip
Bei einer Infusion gelangen Nährstoffe direkt in den Blutkreislauf und umgehen den Verdauungstrakt. Das ist dann von Vorteil, wenn die Aufnahme über den Darm gestört ist oder ein ausgeprägter Mangel schnell ausgeglichen werden soll.
Wann eine Infusion medizinisch begründet ist
- nachgewiesener Eisenmangel, besonders bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung von Tabletten
- belegte Vitaminmängel, etwa bei Aufnahmestörungen oder nach bestimmten Operationen
- Situationen, in denen eine orale Aufnahme nicht möglich ist
Der entscheidende Punkt: erst messen
Ohne Laborbefund ist eine Infusion Raten. Wir bestimmen deshalb zuerst die relevanten Werte und behandeln nur, wenn ein Mangel tatsächlich vorliegt. Das ist nicht nur seriöser, sondern auch sicherer: Einige Substanzen können überdosiert werden.
Was Infusionen nicht leisten
Sie ersetzen weder eine ausgewogene Ernährung noch die Abklärung der Ursache. Anhaltende Müdigkeit hat viele mögliche Gründe – Schilddrüse, Schlaf, Eisen, Blutbild. Diese Ursachen zu suchen ist wichtiger, als sie mit einer Infusion zu überdecken.
Zu NAD+
NAD+ ist ein Coenzym mit zentraler Rolle im Zellstoffwechsel. Die Forschung dazu ist interessant, die Datenlage für viele beworbene Anwendungen aber noch begrenzt. Wir sagen offen, was belegt ist und was nicht.
Ablauf
Nach Befundbesprechung erhalten Sie die passende Infusion; je nach Präparat dauert das 20 bis 60 Minuten in ruhiger Atmosphäre.